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3. PREMIERE DES WANDERZIRKUS K.
Wer auf irgendeinen Termin wartet weiß, dass zwei Wochen mitunter sehr lang sein können. Wenn man jedoch zwei
Wochen warten muss und keinen Termin hat, dann ist dies noch schlimmer. So erging es Frank und mir. Seit mehr als einer Woche warteten wir vergeblich auf die versprochene Verstärkung. Mit
unendlicher Geduld und endlosen Laufereien hatten wir unsere Ausrüstung endlich zusammen. Nun musste ich mit dem
Traktor für andere Gewerke “Frondienste” leisten. Dort wurden dringend Zugmittel benötigt. Oft war ich tagelang
unterwegs. Ich lernte dadurch die nähere Umgebung Bogorodshanys und meinen Traktor gut kennen. Dennoch war alles
frustrierend für mich. Frank rannte sich bei der Bauleitung des LT die Hacken ab. Doch auch telefonische Nachfragen in Leipzig erbrachten nichts Neues. Keine Leute, keine Leute...
Als ich nach einer Nachtfahrt in Franks Büro kam, saßen dort zwei Kerle: ein großer und ein auffällig kleiner. Frank strahlte: “Gerhard und Harald – unsere neuen Kollegen!”
Wenn man in einer Leitung nach endlosen Bemühungen eine hartnäckige Verstopfung beseitigt hat, kommt die Brühe
mit einem Mal. So ähnlich ergoss sich jetzt eine förmliche “Personalflut” über unseren aufgeregten Meister. Nachmittags
schickte man uns einen weiteren “Frank” und dazu noch Jens, einen jungen “Arzgebarschler” (Erzgebirgler). Morgen
sollten dann noch Frank Nr.3 und Peter, ein Schweißer, zu uns kommen. Da wären wir also bereits, den Meister nicht
gerechnet, eine Brigade von sieben Kollegen. Nachteilig war, dass die Bauleitung mit Sicherheit früher oder später vier
Kumpels wieder versetzen würde. Gewöhnlich rauften sich die Kollegen nach kurzer Zeit zu einer gut funktionierenden
Gruppe zusammen. Häufige Fluktuationen zerbrachen diese Struktur, und darunter litt nicht nur die Arbeitsproduktivität einer solchen Brigade. Während solch einer Anfangsphase waren Personalwechsel kaum vermeidbar.
Frank 2, der Schweißer, hatte bereits an der Druschba-Trasse gearbeitet. Diese Schweißerbrigaden führten damals
Nachisolierungen selbst durch. Er brachte also zu unserem Nutzen genügend Erfahrungen und Kenntnisse mit.
Morgen früh hatte unser “Wanderzirkus” also seiner Uraufführung. Ein “LO 1800” (geländegängiger leichter LKW aus
DDR-Produktion) sollte die ganze Truppe bis zur Baustelle und nach Schichtende zurück ins Wohnlager bringen.
Allerdings würde der LKW bis zum Bersten gefüllt sein. Alle mussten sich in die Fahrerkabine quetschen. Auf der
ungeheizten Ladefläche war es natürlich zu kalt. Für einen geländetauglichen Bus vom AT (Allgemeinen Transport) war unsere Brigade zu klein.
Ich hatte tagsüber nur wenig geschlafen. Trotzdem bat mich Frank, unseren Fuhrpark in der Nacht möglichst komplett
zur Baustelle zu transportieren. Es sei nicht allzu weit, und vorher wollte er mit mir die Strecke im “ARO” wenigstens bei
Tageslicht abfahren. Nachts sieht bekanntlich alles etwas anders aus... Seit zwei Tagen gab es strengen Frost, aber
kaum Schnee. Dicker Raureif verwandelte manche Streckenabschnitte in wahre Rutschbahnen. Frank behielt recht: bis zur Baustelle waren es höchstens 6 Kilometer und kaum schwieriges Gelände. Dazwischen gab es größere
Straßenabschnitte. Ich würde mindestens dreimal fahren müssen. Zuerst mit dem langen, ungefügen Materialwagen. Dann in der Reihenfolge den Kipphänger HP-8 zusammen mit dem Stromaggregat und erst zuletzt den
Aufenthaltswagen. Normalerweise wäre mir die umgekehrte Reihenfolge lieber gewesen. Bei einer Panne oder einem
anderen unvorhersagbaren Ereignis hatte man dann immer noch die Möglichkeit im Bauwagen Unterschlupf zu finden.
Der konnte mit einem Ofen beheizt werden und es gab Notvorräte an Lebensmitteln. Doch in der Nähe des Wohnlagers konnte man auf solche Vorsichtsmaßnahmen verzichten. Erst später erlebten wir Situationen, wo eine
Fehlentscheidung prekäre Folgen nach sich gezogen hätte...
Nach dem Abendessen blieben wir alle noch für einige Zeit im Speisesaal sitzen. Verschiedene organisatorische
Probleme waren noch zu klären. Allmählich reichte mir die ganze Quatscherei. Ich tippte auf meine Uhr: “Frank, ich
muss losfahren. Sonst steht morgen früh das ganze Gerümpel noch hier. Ihr könnt meinetwegen noch bis Mitternacht
weiterkäsen. Jetzt brauche ich aber noch einen, der mir beim Ankuppeln des Materialhängers hilft.” Jens, der zukünftige
Lackschuhfahrer, zog sich seine Wattejacke über und lief mit mir zum hellerleuchteten Parkplatz vor der Objektwache.
Ich ließ den “Belorus” an und fuhr rückwärts an den NVA-Hänger heran. Die vereiste Kupplung verriegelte erst beim
dritten Anlauf. Der Materialhänger war so schwer beladen, dass mein Helfer die Zuggabel nur minimal korrigieren konnte.
Ehe ich aussteigen konnte, hatte Jens bereits die Kupplungssicherung überprüft, Stromkabel und Bremsschlauch
angeschlossen. Bei diesem routinierten Berufskraftfahrer saß jeder Handgriff. Hängerbeleuchtung und Bremsen funktionierten tadellos, und ich konnte losfahren.
Es war knackig kalt geworden. Das Eis auf den zugefrorenen Pfützen prasselte laut unter der enormen Last des
Hängers. Die Schotterstraße führte vom Wohnlager aus durch eine sanfte Mulde und mündete nach zwei Kilometern in eine Landstraße.
Hier gab es den ersten kritischen Punkt: eine in der Nähe gelegene Kolchose benützte einen Abschnitt der von uns
gebauten Straße ebenfalls für ihre Transporte.
Die Bauern holten von einem riesigen Diemen mehrmals in der Woche Heu für ihren Viehbestand. Der Diemen wurde in
der Mitte einer großflächigen natürlichen Wiese angelegt. Befestigte Wege gab es keine. Die hochbeladenen Hänger
wurden deshalb von kleinen, aber leistungsfähigen Bulldozern gezogen. Die Traktoristen benutzten für die letzten
hundert Meter bis zur Landstraße unseren Schotterweg und bogen erst an dessen Einmündung scharf nach rechts ab. Dabei wühlten die Ketten der Bulldozer tiefe Fahrrinnen in den Untergrund.
Ich musste mit meiner Fuhre ebenfalls nach rechts abbiegen. Das Niveau der Landstraße lag etwas höher als das des
Weges, und die Kurve war deshalb nur mit ordentlichem Schwung zu nehmen. Der Lastenhänger besaß nur relativ
kleine Räder mit schmalen Laufflächen und war für solch schweres Gelände eigentlich völlig ungeeignet. Der geringe
Einschlagwinkel der Zuggabel ermöglichte nur einen relativ großen Wenderadius. Nahm ich die Kurve zu scharf,
blockierte die Zuggabel. Außerdem konnte der Hänger in eine gefährliche Schräglage geraten und umkippen. Der durch
die Raupenketten aufgepflügte Boden mit den tiefen Fahrspuren begünstigte diese Möglichkeit. Hier genügte nicht nur Fingerspitzengefühl allein, sondern man benötigte auch den richtigen Instinkt dafür.
Bis zur Einmündung hatte ich noch etwa einen Kilometer zurückzulegen. Die Scheinwerfer vibrierten im Takt des Dieselmotors. Ihr weißes Licht zitterte auf dem reifbedeckten Schotterbett der Straße wie eine flimmernde
Discobeleuchtung. Der Lichtkegel erfasste einen Sprung Rehwild. Das Wild hatten am Heudiemen geäst und
wechselten nun in die Deckung eines angrenzenden Waldstücks zurück. Die Tiere verharrten mitten auf der Straße und
blickten wie gebannt in die grellen Scheinwerfer. Die Seher reflektiert ihr helles Licht als grünliche Sterne. Bis auf 20
Meter ließen sie das tuckernde Ungeheuer herankommen, erst dann zogen sie weiter in die schützende Dunkelheit.
Anscheinend bejagte man das Rehwild hier kaum, nur das konnte eine mögliche Erklärung für die ungewöhnlich geringe Fluchtdistanz sein.
Kurz vor der Einmündung blickte ich aufmerksam in beide Richtungen der Landstraße: alles war dunkel. Doch Fußgänger und unbeleuchtete Fahrzeuge konnten nicht ausgeschlossen werden.
Ich schaltete herunter und trat auf das Gaspedal. Für einige Sekunden sah ich in den Rückspiegeln den Anhänger als
großen taumelnden Schatten und vernahm das dumpfe Rumpeln der schweren Kartons mit Isolierfolie im Wageninneren.
Dann rollte der Zug fast geräuschlos auf der Landstraße. Ich lenkte den Traktor an den Straßenrand, hielt an und
schaltete die Warnblinkanlage ein. Eine Zigarettenpause war jetzt unbedingt fällig. Anfänglich hatte ich während der
Fahrt im Traktor unbekümmert geraucht, bis mir einmal die komplette Zigarettenglut in den Halsausschnitt fiel und ich den Traktor vor Schmerz in den Straßengraben lenkte.
Unmittelbar vor der Baustelle lauerte der zweite kritische Punkt. Ein Bachlauf war zu überqueren. Den Bach selbst hatte
man verrohrt und die steilen Uferwände mit einem Bagger abgeflacht. Dennoch waren sie noch so steil, dass längere
Fahrzeuge mit dem Chassis aufsitzen konnten. Die Kollegen vom Gewerk “Rohrgraben” hatten ihren
Bauaufenthaltswagen gerade so über die Kanten bugsiert. Unser Materialwagen war aber noch ein ganzes Stück länger.
.. Dennoch hatte ich auch hier wieder das Glück auf meiner Seite. Wie erwartet krachte das Untergestell des Hängers
auf die Abbruchkante und schurrte kreischend über den gefrorenen Boden. Die Räder des “Belorus” fanden aber auf dem
zerfurchten Erdreich noch genügend Griff, und bald hatte ich auch für den Materialwagen neben dem Rohrgraben einen geeigneten Abstellplatz gefunden.
Nach meiner Rückkehr ins Wohnlager trank ich im Aufenthaltsraum der Lagerwache einen großen Kaffee und
“frühstückte” ordentlich. Die Jungs verfügten über ausgezeichnete Beziehungen zur Küche und konnten daher, wann auch immer sie Lust dazu empfanden, sich ihre Steaks selbst braten.
Anschließend halfen mir die Kollegen beim Ankuppeln der zweiten Fuhre: den HP-8 mit Stromaggregat. Es hatte sich
herausgestellt, dass es wesentlich günstiger war, wenn der Kipphänger und das Stromaggregat eine Einheit bildeten.
Wurde das Aggregat einzeln gezogen, musste jedes mal das Stützrad zeitaufwendig hochgekurbelt bzw. wieder
abgesenkt werden. Obwohl dieses “Gespann” die Länge des Materialwagens übertraf, konnte ich wesentlich schneller
fahren. Diesmal stellte auch das Abbiegen auf die Landstraße kein Problem mehr dar. Der HP-8 war hochbeinig, flach
und breit. Er konnte kaum kippen. Der Notstromer hoppelte auf seinen zwei Rädern gehorsam wie ein Fahrradanhänger um die Kurve.
Nach einigen Minuten flotter Fahrt tauchte im Scheinwerferlicht schemenhaft ein unbeleuchtetes Fahrzeug auf. Es stand
am Straßenrand. Ich fuhr langsamer und als ich näher gekommen war, erkannte ich das Hindernis genauer: ein Traktor
mit einem einachsigen Auflieger. Ein Mann stellte sich auf die Straßenmitte und fuchtelte aufgeregt mit den Armen. Ich
musste nun eine Entscheidung treffen. Weiterfahren konnte ich wohl kaum. Selbst, als ich ihm mit dem Traktor schon
bedenklich nahe gekommen war, gab der Anhalter unmissverständlich zu verstehen, dass er seinen Platz unter keinen Umständen räumen würde. Was sollte ich also tun? Die Situation glich einem perfekten Gruselszenarium:
mutterseelenallein mitten in der Nacht auf einer einsamen Landstraße in einem fremden Land. Eine Rückwärtsfahrt mit
zwei Anhängelasten konnte ich getrost abhaken. Weiterfahren konnte ich aber auch nicht – dann hätte ich den Mann
über den Haufen fahren müssen... Ich setzte also auf volles Risiko, zog den Trecker nach rechts und hielt zwei oder drei
Meter hinter dem anderen Hänger. Unwillkürlich fiel mir zur gegenwärtigen Situation der Vortrag eines Juristen während
des Vorbereitungslehrgangs in Oppach ein, welcher uns damals eindrücklich warnte: “Ihr arbeitet zwar in einem mit der
DDR eng befreundetem Staat, doch ihr seid in einem Gebiet tätig, wo noch nie Ausländer waren. Wo ein Gemisch vieler
Nationalitäten mit ebenso vielen Religionen und Emotionen lebt. Stellt euch vor, dass ihr in der Nähe eines kleinen
Dorfes unglücklicherweise und ohne euer persönliches Verschulden ein Kind überfahrt. Ich gebe euch den dringenden
Rat, sofort Gas zu geben und schnellstmöglich das nächste Wohnlager zu erreichen. Dort seid ihr erst mal in Sicherheit
und nur von dort aus wird über die Lagerleitung alles Notwendige den sowjetischen Behörden mitgeteilt. Versucht auf
keinen Fall, Erste Hilfe zu leisten oder irgend jemanden zu verständigen. Dies könnte unter Umständen euer Leben
kosten, denn besonders hier lieben die Menschen ihre Kinder über alles.” Beim anschließenden Seminar gab es zwar
damals zu diesem Thema kontroverse Diskussionen, aber ganz aus der Luft gegriffen hatte der Vortragende dieses extreme Beispiel mit Sicherheit nicht...
Der Anhalter, ein älterer Mann, kam eilig zu meinem Traktor gelaufen. Er war allein und wirkte auch nicht angetrunken, so dass ich die Tür einen Spalt öffnete.
Sein Anliegen war durchaus verständlich: ich sollte seine Zugmaschine anschleppen. Der “Kolchosnik” hatte am späten
Abend einige Rinder zum Bahnhof befördert. Um schneller nach Hause zu kommen, benutzte er eine Abkürzung.
Ausgerechnet hier, wo er bereits wieder auf der Straße fuhr, sei ihm der Motor ausgegangen. Ich stellte den Motor ab
und verschloss die Kabinentür. Sein Traktor war ein uraltes Modell aus den “Gründerjahren”. Natürlich ohne Batterie und
auch kein Abschleppseil. Da ist leider nichts zu machen, erklärte ich ihm. Alles was sich zum Anschleppen geeignet
hätte, befindet sich im Materialwagen. Bis ich von dort wieder zurück sei, würde es lange dauern. Doch als echter
Russe gab Sergej Stepanowitsch nicht so schnell auf. Er unterbreitete mir einen ebenso abenteuerlichen wie kuriosen
Vorschlag: ich solle mit meinem Traktor hinter seinem Hänger heraus- und dicht an diesem vorbeifahren. Schließlich
würde sich mein Kipphänger an seinem Auflieger verhaken und dann genügte schon ein kleiner Ruck... Die kalte
Frostluft ließ mir fast die Lungen bersten, als ich tief Luft holte, um mich vor Lachen zu biegen. Auf so eine absurde Idee
konnte eigentlich wirklich nur ein Russe kommen! Sergej fand das aber alles andere als komisch und wollte mir seinen
Vorschlag nochmals erläutern. Ich winkte nur ab: “Ja usche ponjal” (“Ich habe schon verstanden”). Andererseits,
weshalb sollte man eine solche exotische Luftnummer nicht mal versuchen? Bis jetzt hatte ich noch nicht ein einziges
Fahrzeug zu Gesicht bekommen. Die Miliz hatte hier ohnehin Raritätenstatus und unser Kipper war garantiert stabiler
gebaut als Sergejs Trompetenblechcontainer. “Soglasjen” (“Einverstanden”), sagte ich kurzentschlossen. Worauf das
schlaue Bäuerlein hocherfreut in seinen Traktor kroch und für alle Fälle den Handgashebel auf Maximum schob. Wir
vereinbarten, dass ich in dem Augenblick ein Hupsignal geben würde, wenn die Hänger “Kontakt” hätten. Als ich den
Traktor gestartet hatte, schaltete ich den hinteren Arbeitsscheinwerfer ein. Nachfolgender Verkehr hätte ab jetzt mit
Sicherheit Probleme gehabt. Langsam fuhr ich im Kriechgang knapp am Kolchoshänger vorbei. Tatsächlich, die rechte
Planke des Kippers näherte sich im Winkel der Hinterfront des anderen Hängers und berührte diese. Ich bremste ab,
gab das vereinbarte Hupsignal und drückte aufs Gaspedal. Es knirschte jämmerlich, doch das vordere Gespann ruckelte
ein Stück vorwärts. Welch ein Wunder: aus dem Auspuff des Kolchostraktors quollen dicke Abgaswolken! Bereits ein
knapper Meter hatte ausgereicht, um dieser Windmühle wieder Leben einzuhauchen. Sergej fuhr noch ein Stück weiter,
damit ich mich wieder rechts einordnen konnte und hielt dann an. Während wir eine Zigarette rauchten, versicherte er
mir, dass solche Aktionen wie eben völlig normal seien. Akkus brauchte man nicht. Früh schleppe man die Fahrzeuge
an, und dann liefen sie eben den ganzen Tag. Man könne die Traktoren selbstverständlich auch mit der Handkurbel
anwerfen. Seine Vorrichtung sei allerdings kaputt... “Und die Bulldozer?”, wollte ich wissen. “Die werden mit Pressluft
angelassen.” meinte er und spuckte auf die Glut der Zigarettenkippe. Dann lief er zu seinem Traktor, der jetzt gemütlich
tuckerte, als sei nie etwas gewesen. Sergej kam mit einem Gegenstand zurück, der sorgfältig in Zeitungspapier
eingewickelt war, und reichte ihn mir: “Villen Dank chelfen du!” Um ein Haar wäre mir sein Geschenk fast aus den
Händen gerutscht, so gewichtig war das Zweiliterglas mit Selbstgebrannten... Wir verabschiedeten uns. Sergej hatte es
jetzt eilig, und bald schon bog sein klappriges Vehikel in die Straße ein, die zur Kolchose führte.
Wie erwartet, bereitete die Bachüberquerung diesmal keinerlei Schwierigkeiten. Voller Stolz, dass es mir bereits beim
ersten Mal gelungen war, den HP-8 genau parallel zum Gerätewagen zu parken, zog ich mit dem “Belorus” noch einige
Kreise, um einen möglichst geraden Standplatz für den Wohnwagen auszumachen. Diese Mühe ersparte später das lästige Ausrichten mit den Wagenspindeln.
Als ich mit dem Aufenthaltswagen zurückkam, war es bereits kurz nach drei Uhr. Obwohl ich nun hundemüde war, hatte
ich diesmal in der Wache auf Kaffee verzichtet. Nur musste ich unterwegs mehrmals das Fenster einen Spalt öffnen. Ansonsten wäre ich eingeschlafen.
Es war gut, dass ich mir bereits einen Platz für den Bauwagen ausgesucht hatte. Der Wagen stand, soweit man das in der Dunkelheit beurteilen konnte, nahezu ideal.
Den Roten stellte ich unmittelbar daneben ab.
Die Wagentreppe aufzustellen war ich aber zu faul und auch zu erschöpft. Aus dem Spiegelkasten (befindet sich unter
dem Wagen und wird zur Aufbewahrung von Zubehör genutzt) klaubte ich noch einen Eimer voll Briketts und etwas Holz,
hievte alles in die Türöffnung des Bauwagens und krabbelte auf allen Vieren hinein. Im Wageninneren war die Luft genau
so eisig wie draußen. Nur, dass es hier zusätzlich noch intensiv nach kaltem Zigarettenrauch stank... Im Schein einer
Taschenlampe heizte ich den Ofen an. Das trockene Holz brannte gut. Bald konnte ich Briketts auflegen. Die schmale
und brettharte Sitzbank bot zwar keinen besonderen Schlafkomfort, doch die kurze Zeit bis zum Eintreffen der Brigade
konnte ich es schon aushalten. Um im Schlaf nicht herunterzufallen, zog ich den Tisch so weit wie möglich heran. Der Ofen spuckte jetzt mollige Wärme und im Nu war ich eingeschlafen.
Unser Meister legte Wert auf Pünktlichkeit: kurz vor sechs Uhr heulte der LO 1800 durch die Senke des Bachübergangs
und schon nach wenigen Minuten schleppte die lärmenden Meute einen gehörigen Schwall dampfende Frostluft ins
Wageninnere. Total abgeschlafft rappelte ich mich hoch. Jeder Knochen in mir maulte über die unbequeme Unterlage.
Im Ofen leuchtete noch Glut. Einer der Ankömmlinge stocherte eifrig die Asche durch das Rost und legte nach.
Frank erkundigte sich bei mir, wie alles gelaufen sei. Als ich ihm von meinem “Anschiebemanöver” erzählte, musste er
ebenfalls lachen. Das Zweiliterglas erwähnte ich natürlich nicht. Es stand noch im Traktor. Der Meister meinte: “Ich
fahre dich jetzt zurück nach Bogo. Hau dich aus Ohr. Heute Abend um 8 Uhr treffen wir uns alle auf meiner Bude.”
Draußen war es bitterkalt. Gegen Morgen hatte es etwas geschneit. Der Schnee bedeckte die öde Landschaft wie ein
dünnes weißes Leichentuch. Misslaunig quarrende Krähenscharen ergänzten effektvoll das triste Stimmungsbild.
Während Frank den LO anließ, holte ich meinen Sammi aus dem “Belorus” und setzte mich auf den Beifahrersitz des LKW. Der innenliegender Motor strömte eine wohlige Wärme aus.
Im Wohnlager bat ich, dass mich ein Kollege gegen 14 Uhr wecken soll. Gemeinsam mit Roland und Heinz wollte ich
das erstmals die Stadt Bogorodshany erkunden. Über zwei Wochen war ich schon hier. Für einen “Geschäftsbummel”
gab es für mich bisher keine Gelegenheit. Zufällig hatten meine zwei Zimmergenossen an diesem Nachmittag auch frei.
Sie kannten die Stadt natürlich bereits sehr gut und waren bei ihren Streifzügen immer auf der Suche nach besonderen Mitbringseln für den nächsten Urlaub.
Heinz und Roland schliefen. Ich hatte mich geirrt. Heinz schlief nicht. Er beobachtete misslaunig den Profischnarcher.
Der “Fellfresse”, wie ihn Heinz titulierte, war wieder ein Bein aus dem Bett gerutscht. Bei einer der häufigen
Schnarchorgien trommelte er dann mit der Ferse geräuschvoll auf den Fußboden. “Seit einer Stunde habe ich kein Auge
zumachen können, so grunzt das Mistvieh heute wieder!” Ein Hausschuh zischte quer durchs Zimmer und traf den
Nichtsahnenden voll am Kopf. Roland fuhr hoch und schaute verdutzt in die Runde. Erst dann erblickte er den Pantoffel.
Nach einem kurzen, aber inhaltsreichen Wortgefecht waren beide wieder friedlich. Ich stellte mein Glas auf den Tisch
und rannte schnell in den Waschraum. Als ich zurückkam hatte Heinz bereits das Zeitungspapier gelöst. Er blickte
durch das Glas in die Deckenlampe und strahlte mit genießerischem Gesichtsausdruck: “Welch köstlicher Anblick!” Ich
sicherte das wertvolle Gefäß vor unbefugten Zugriffen in meinem Schrank. Heinz kroch wieder in sein Bett. Roland und ich gönnten ihm eine Gnadenfrist zum Einschlafen, indem wir jeder eine Flasche Bier tranken...
Nachmittags verließen wir das Wohnlager in Richtung Stadt. Die Straße und der Fußweg waren natürlich nicht gestreut
und daher höllisch glatt. Bald hatten wir die Brücke über die Bystriza erreicht. Meine beiden Kollegen liefen zu meinem
Erstaunen plötzlich vom Fußweg auf die Straße, obwohl diese hier besonders holprig war. Ich wollte weiter gehen, doch
Heinz hielt mich energisch am Arm fest und deutete mit der Hand in meine Laufrichtung: “Du willst wohl fliegen lernen?
Verunsichert blickte ich ihn an, doch dann lief mir ein eisiger Schauer über den Rücken: knapp zwei Meter vor mir hörte
der Fußweg plötzlich auf und an dessen Stelle gähnte ein riesiges Loch im Brückenbelag. Mit äußerster Vorsicht trat
ich etwas näher heran und sah hinab. Unten, in vielleicht dreißig Metern Tiefe, schäumte die Bystriza über riesige
Geröllblöcke! Einen Sturz aus dieser Höhe dürfte wohl kaum jemand überleben... Ich war ziemlich aufgeregt: “Mensch,
Heinz, wir müssen unbedingt ins Lager zurück, damit der Dispatcher die Miliz verständigen kann! Die Einbruchstelle muss doch zumindest abgesperrt werden!” Doch Heinz kicherte nur:
“Das Loch war schon da, ehe die Brücke gebaut wurde... Da hat bis jetzt noch keiner was daran gemacht. Die brauchen
das hier anscheinend, um ihren Rentnerbestand zu regulieren.” Roland war jenseits der Einbruchstelle wieder auf den
Fußweg zurückgelaufen, schaute vom Brückengeländer aus nach unten und winkte uns zu sich heran. Er deutete auf
den gegenüberliegenden Steilhang. Erst nach einer Weile entdeckten wir, was er uns zeigen wollte. Es war wirklich
unglaublich: an der Uferwand klebte ein kleines Haus wie ein Schwalbennest an einer Mauer. Ein kaum sichtbarer Pfad
führte hinab. Auf einem kleinen Plateau stand noch ein winziger Schuppen. Wir konnten sogar einige Hühner
herumlaufen sehen. Es bestand überhaupt kein Zweifel: das Häuschen war tatsächlich bewohnt! “Ich sehe das heute
auch zum ersten Mal.”, meinte Roland und schüttelte verwundert den Kopf. “Das ist bestimmt die Datsche einer
Artistenfamilie vom Staatszirkus.” Wir gingen weiter. Nach der Brücke begann das Gelände wieder anzusteigen. Links
und rechts von der Hauptstraße zweigten kleine Gassen ab, für Fahrzeuge unpassierbar, da in gewissen Abständen
Stufen eingelassen waren. Neben einem Fotoatelier bogen Roland und Heinz in eine solche Gasse ein. An beiden
Seiten der Gasse, eigentlich war es mehr ein gepflasterter Weg, standen Häuser. Sie wirkten wie übereinandergestapelt
. Seitlich an den Hauswänden waren Geländer befestigt. Ohne sie wäre wir keinen Schritt vorwärts gekommen. Oben
neben dem Wohnlager erstreckte sich eine ziemlich große Siedlung aus genormten Plattenbauten. Dies hier war
sicherlich der ursprüngliche alte Stadtkern von Bogorodshany. Nach einigen Biegungen endete die Gasse auf einem
Platz von beträchtlicher Größe. Durch sorgfältig aufgesetzte Begrenzungsmauern ähnelte er mehr einer Terrasse. Bisher
waren uns nur wenige Leute begegnet. Hier allerdings schien ein kleines Volksfest stattzufinden. Doch in Wirklichkeit fand hier der reguläre Wochenmarkt statt.
Trotz der Kälte wurden an zahlreichen Verkaufsständen die verschiedenartigsten Waren angeboten. An einer Seite des
Platzes wölkte dünner Rauch empor. Ich wurde neugierig. Tatsächlich. Ein leiser Luftzug fächelte den unverkennbaren
Duft gebratenen Schaschlyks heran. Auch bei meine Kollegen blähten sich die Nasenflügel zu Ferrariauspuffen auf.
Immerhin hatten wir Frühstück und Mittag verschlafen und daher knurrte jedem von uns gewaltig der Magen. Mit Mühe
zwängten wir uns durch das Gedränge und standen schließlich vor dem Grillstand. Wir brauchten nicht lange anzustehen. Der Betrieb hielt sich in Grenzen. Für viele Einheimische war Schaschlyk nicht unbedingt ein
“Nebenbeihäppchen” wie bei uns die Bockwurst, sondern eine ernsthaft zu erwägende Sonderausgabe. Ein Schaschlyk
kostete umgerechnet 3,80 Mark. Dazu kamen noch 0,60 M Pfandgebühr für den Metallspieß. Die Portionen waren sehr
groß. Außerdem konnte sich jeder noch Grau- oder Weißbrot nehmen, soviel er mochte. Senf, Tomatenketchup und
ähnlichen “Unsinn” kannte man hier nicht. Aus einer mit Essig gefüllten Sektflasche mit durchbohrtem Korken wurden
einige Spritzer über den Schaschlyk geträufelt und damit war diese wahrhaftige Delikatesse genusstauglich. Heinz und
ich kauften jeweils zwei, Roland stand heute auf Diät und nahm daher “nur” drei Spieße... Als wir uns sorgfältig die
fettigen Finger abgeleckt hatten, spannte der Hosenbund merklich. Nunmehr war jeder Stress hinuntergeschluckt, und wir konnten uns völlig entspannt den Angeboten der Händler widmen.
Überwiegend Bauern aus der näheren Umgebung boten ihre hausgemachten Produkte an. Verschiedene Lebensmittel
wie Sauerkraut, Smetana (dicke saure Sahne), Quark, selbstgepresstes Öl, geschleuderter Honig oder noch in den
Waben, Warenje (in Zuckersud eingekochte Früchte). Doch auch die verschiedensten Fleischerzeugnisse, getrockneter
Fisch, Trockenpilze und Dörrobst wurden angeboten. Es war nahezu unmöglich, alles aufzuzählen. Wer sich den teuren
Schaschlyk nicht leisten konnte, hatte die Möglichkeit seinen Hunger mit den wesentlich preiswerteren Piroggen zu stillen. Diese frittierten Teigtaschen wurden mit den verschiedenartigsten Füllungen angeboten.
Eines gab es aber auf diesem Markt nicht: alkoholische Getränke. Was illegal angeboten und verhökert wurde, wussten allein die Insider.
Souvenirs, gemeint ist echter Touristenkitsch, gab zu dieser Jahreszeit kaum. An vielen Ständen verkaufte man jetzt Pelzerzeugnisse: Mützen, Jacken, Mäntel und Westen, aber auch ganze Felle
oder Decken. Die Preise waren relativ hoch und abhängig von der Pelzart. Mir gefiel eine sehr schön gearbeitete
Schapka aus Brandfuchs. Mehr aus Jux probierte ich ihre Größe. Sie passte. Der Händler witterte ein Geschäft. Er
wusste genau, dass wir hier dickes Geld verdienten und verlangte rotzfrech 100 Rubel. (etwa 320 Mark) Dies war mir
dann doch zuviel und prompt ging der Händler mit seiner Forderung herunter. Am Schluss der Verhandlungen waren wir bei 30 Rubel und sechs großen Büchsen Ananas angekommen. Da in meinem Brustbeutel aber keine Büchsen
hineinpassten, endete hier das Verkaufsgespräch. Als einziger von uns trug Roland ein Wollstrickmütze. Die winterliche Kälte hätte sich sonst durch die spärliche
Flaumbehaarung in den Kopf gebissen. Heinz und ich dagegen stellten stolz unsere Haarfülle zur Schau. Unbeabsichtigt
erregten wir deshalb, wie auch viele andere Deutsche, fast ein öffentliches Ärgernis. Eine Kopfbedeckung zu tragen
gehörte hier gewissermaßen zur Kleiderordnung. So, wie ein Minister beim Staatsempfang niemals ohne Krawatte
herumlaufen durfte. Ein altes Mütterchen, das kunstvoll bestickte Männerhemden feil bot, hielt uns deswegen eine ernstgemeinte Standpauke. Mein Erklärungsversuche, dass ich zu Hause noch niemals in meinen Leben (mit
Ausnahme der Armee) eine Mütze oder Hut getragen habe, und der Winter bei uns nicht strenger sei als hier, blieben erfolglos.
Etwas oberhalb des Marktplatzes befanden sich einige Geschäfte. In einem Laden, eine Art Haushaltwarengeschäft,
gäbe es ganz interessante Sachen, meinte Roland. Obwohl es schon langsam dunkel wurde, entschlossen wir uns
doch noch zu einem kurzen “Geschäftsbummel”. Der Laden war weiträumig und hatte, was hier im Lande nicht die
Regel ist, breite Schaufenster mit geschmackvollen Dekorationen. Das Angebot war vielseitig. Neben bunt emaillierten
Topfsortimenten “Made in China” und dem üblichen Küchenkram gab es unwahrscheinlich viele Artikel aus Holz,
Keramik, Porzellan, Ton, Glas und Kristall. Besonders gefielen mir Einzeltassen, aber auch Porzellanservice mit reicher
Goldverzierung und filigraner Handbemalung zu erstaunlich niedrigen Preisen. Heinz zeigte mir ein kleines Holzfass mit
Messingdauben und Zapfhahn auf einem geschnitzten Ständer für umgerechnet 72 Mark. Mehr als 7 Liter fasse das
gute Stück, versicherte er. Es sei aber kein Kunstgewerbe für die Wohnzimmervitrine, sondern wäre tatsächlich für Wein bestimmt. Genauso wie die Spinnräder eben für das Spinnen von Wolle verkauft würden.
Ich kaufte mir schließlich eine kleine Balalaika und ein Goralenbeil mit Sporn und Klinge aus Hartkupfer, sauber
eingelassen in einen mit Schnitzereien verzierten Eichenschaft. Als wir das Geschäft verließen, war es bereits
stockdunkel geworden. Hier oben gab es noch einige Straßenlampen. Mir grauste vor dem Abstieg durch diese
garantiert unbeleuchtete steile Seitengasse. Doch meine Kollegen kannten einen besseren Weg. Anstatt zurück zu
laufen, kletterten wir noch ein Stück bergauf und erreichten schließlich eine breite, gut beleuchtete Straße. Es war
genau die, die wir kurz nach der Brücke verlassen hatten. Unterwegs hatten wir noch unverschämtes Glück: ein Bautruppfahrzeug stoppte und nahm uns mit ins Wohnlager.
Im Speisesaal hatte sich die neugegründete Brigade HISO 1 an drei zusammengeschobenen Tischen versammelt. Eine
heiße Diskussion war im Gange. Es ging um Stundenabrechnungen, Erschwerniszuschläge und anderen Kram, aber
besonders um die Wahl des Brigadeleiters. Der “Buschfunk” hatte durchgetickt, Brigadiers würden zukünftig pro Monat einige Stunden mehr bekommen.
Die für heute angekündigten zwei neuen Kollegen saßen auch mit am Tisch. Beide waren sie Trassenneulinge. Frank
“3” stammte aus der Berliner Ecke, während Peter aus Thüringen stammte und gelernter Schweißer war. Klar, dass er in unserer Brigade mehr oder weniger nur eine Gastrolle übernehmen würde.
Kurz vor 20 Uhr marschierte die ganze Truppe zur “Meisterbaracke”. Frank lag auf seinem Bett und las in einer Tageszeitung – frisch importiert von Urlaubern.
Der Meister kam gleich zur Sache: “Wir müssen heute zwei Angelegenheiten klären. Erstens, wer übernimmt die
Brigadeleitung, und zweitens brauchen wir noch jemanden als Traktorfahrer. Konkret geht es dabei um eine
Urlaubsvertretung für Tommi. So, Leute, Vorschläge.” Scherzhaft schlug nun einer den anderen vor, obwohl keiner den
andern so richtig kannte. Ehe alles zur absoluten Lachnummer wurde, griff Frank ein: “Da wir so nicht weiter kommen,
werde ich jeden von euch persönlich fragen.” Es war von vornherein klar, dass kaum jemand großes Interesse daran
hatte, Brigadeleiter zu werden. Dieser wurde automatisch zum Prügelknaben und sowohl von oben als auch von unten kräftig in den Hintern getreten, falls das Schiff aus dem Ruder lief.
Ich hatte Frank schon lange angekündigt, dass ich unter keinen Umständen eine solche Funktion übernehmen würde.
Einmal aus den bereits erwähnten Gründen und zum anderen, weil es auf Grund meines Alters wohl lächerlich erscheinen würde, eine “ Jugendbrigade” zu leiten. Frank fragte mich deswegen erst gar nicht.
Die einzigen Kollegen, die - außer mir - vorerst ständig in der Brigade bleiben würden, waren Frank “3”, Harald und
Gerhard. Letzterer sagte zu. Mir schien es, als hätte er schon insgeheim auf eine solche Gelegenheit gewartet. Bereits
kurze Zeit später bestätigte sich meine Vermutung. Nun mussten wir noch einen Stellvertreter für mich finden. Der noch
backwarme Brigadier schlug sich sofort selbst vor. Doch glücklicherweise hatte mir Frank in dieser Beziehung freie
Hand gelassen. Jens war als Berufskraftfahrer wohl doch am geeignetsten dafür und auch einverstanden. Allerdings eben nur so lange, bis er selbst ein eigenes Fahrzeug erhalten würde.
Unser Meister erläuterte noch die morgigen Aufgaben. Ungeklärt blieb vorläufig der Beginn des Schichtbetriebes. Noch
waren wir zu wenige. Nach der Brigadeversammlung saßen wir noch eine Weile im Speisesaal zusammen. Morgen also würde der “Wanderzirkus K.” Premiere haben...

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