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DataIcon TEIL I / KAPITEL 2

Die andere Seite des Lebens

Der andere Teil war das Leben mit meiner Schwester bei meiner Mutter, die mich augenscheinlich nicht besonders liebte. Dafür meine Schwester umso mehr.

Ich habe das über viele Jahre so gefühlt und habe mich deshalb immer nach einem Vater gesehnt, den ich nie hatte und konnte später keinen mehr von diesen „Stiefvätern“, die mir vor die Nase gesetzt wurden, als Vaterersatz akzeptieren.

Meine Mutter hat mich nie in den Arm genommen, auch an andere Zärtlichkeiten ihrerseits kann ich mich nicht erinnern.

Ein Satz meiner Mutter begleitete mich mein ganzes Leben lang:

„Du siehst aus wie Dein Vater. Du bist wie Dein Vater und Du bist ein Lügner genau wie Dein Vater!“ . Und später war ich dann auch noch „ein Verbrecher und ein Versager, genau wie mein Vater!“. Meinen leiblichen Vater hatte mein Hirn aus irgendeinem Grunde aus meinem Gedächtnis gelöscht, obwohl ich schon 8 Jahre alt war, als sich meine Eltern getrennt haben.

Auf meine späteren Fragen hin, sagte mir meine Mutter, dass er verstorben wäre.

Wahrscheinlich deshalb war ich als Jugendliche sehr rebellisch gegen alles und jeden, vor allem gegen meine Mutter.

Zu Hause sein wollte ich nicht, weil ich die diversen Herrenbesuche meiner Mutter verabscheute.

Ich hasste dieses Leben, wollte deshalb auch später noch freiwillig in ein Kinderheim.

Bin einfach zum Jugendamt hin und habe denen gesagt, dass sie mich in das nächste Heim stecken sollten.

Das war, genau wie in Radebeul, bei uns im Ort.

In diesem Heim lebten einige Klassenkameraden von mir, unter anderen Werfried, der neben mir auf der Schulbank saß und gelegentlich von mir abschrieb.

Ich war immer eine gute Schülerin, das Lernen fiel mir nicht schwer und trotzdem war ich in der Schule eine absolute Außenseiterin, weil ich mich weder anpassen noch unterordnen wollte.

Der Lebenswandel meiner Mutter tat ein Übriges zu meinem und meiner Schwester Ruf. Wir galten zeitweise als asozial.

Der Staat hatte es sich zum ziel gesetzt „allseitig gebildete, sozialistische Persönlichkeiten“ aus den Kindern zu machen, die „ihrem Vaterland treu ergeben sind“.

Diese Richtlinie wurde an die Schulen weiter gegeben. Und nicht nur an die. Im Prinzip begann diese „sozialistische Erziehung“ bereits in der Kinderkrippe und ging nahtlos zum Kindergarten und dann an die Schule und den Hort über. Ob Jungpionier, Thälmann-Pionier oder FDJler - alles war paramilitärisch aufgezogen und es wurden dementsprechende Rituale praktiziert.

Teilnahme war Pflicht und unentschuldigtes Fehlen wurde scharf geahndet.

Jegliches „Anti- Verhalten“ gegenüber Schule und Organisationen auch in der Freizeit wurde öffentlich gemacht. Ich hielt von diesen Vereinen und Organisationen herzlich wenig und zog auch nur sehr ungern die diversen Uniformen an. Was mir ständig angekreidet wurde. Jeder Schultag begann mit einem Appell. Alle hatten im Schulhof im Karree anzutreten und der Direktor hielt seine morgendliche Ansprache.

Danach ging‘s los!

Erst wurden die ganz fleißigen und strebsamen öffentlich belobigt, danach waren die anderen dran.

Jeder Schüler der sich entweder in der Schule oder in der Freizeit irgendetwas hatte zu schulden kommen lassen, wurde namentlich aufgerufen und musste nach vorn kommen und sich vor alle Schüler mitten in den Schulhof stellen.

Der jeweilige Klassenlehrer ließ sich dann lang und breit und vor allem sehr laut über dessen Missetaten aus.

Ich stand sehr oft da vorn, aber nicht nur weil ich vieles tatsächlich selbst verschuldete, nein, weil es auch Schüler gab die es sich zum Sport gemacht hatten, andere für kleinste Vergehen anzuschwärzen.

Man hatte mich angeblich einmal dabei beobachtet, das ich versäumt hatte einer alten Frau über die Straße zu helfen.

Die zwei Pfeifen erhielten eine öffentliche Belobigung und mich mussten alle Schüler eine Woche lang mit Missachtung strafen.

Diese Strafe musste damals Werfried aussprechen und auch dafür sorgen, dass sie eingehalten wurde.

Dass ausgerechnet dieser Fatzke mir später den ersten Heiratsantrag machte und noch später, mein Schwager werden sollte, konnte ich damals noch nicht ahnen.

Im Laufe der Schuljahre wurden wir jedoch gute Freunde.

 

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