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DataIcon  MEIN AUFSATZ IN STAATSBÜRGERKUNDE

Hallo, ich bin Christian M, geboren 1952 im Erzgebirge.

Ich möchte eine kleine wahre Geschichte erzählen die besonders den jungen Menschen die - DDR Realität - erklärt.
Es war 1967 ich war im 8. Schuljahr. Im Schulfach, ich glaube es hieß damals schon -Staatsbürgerkunde -, sollten wir einen Aufsatz schreiben zum Thema: Warum ist das DDR Wirtschaftsmodell gut, richtig und modern und warum ist das westdeutsche Wirtschaftssystm alt, unmodern und dem Untergang geweiht.
Ich sah da endlich einmal eine Möglichkeit meine Meinung zum DDR-System niederzuschreiben. So schrieb ich damals wörtlich:
"Die Frage ist falsch gestellt, richtig müsse die Frage lauten. Warum ist das DDR Wirschaftssystem unmodern, unproduktiv und dem Untergang geweiht, und warum ist das westdeutsche Wirtschaftssystem effektiv, modern und zukunftsfähig". Da dies die letzte Schulstunde an diesem Tag war gab ich meinen Aufsatz frühzeitig ab und durfte nach Hause gehen. Meine lieben Mitschüler damals schrieben aber brav die Parolen die sie mit den Jahren auswendig lernten. So zum Beispiel: In der DDR gibt es keinen Klassenkampf, keine Streiks, keine Überproduktion, keinen Konkurenzkampf, keinen Preisdruck und der Sieg des DDR Systems sei eingeplant und werde ohnehin bald erreicht werden. Wer diese Parolen am besten auswendig lernte und am besten heuchelte und wiedergab der durfte zum Abitur und später sogar studieren.
Aber es waren gerade diese Klassenfreunde die am meisten über die DDR-Mangelwirtschaft schimpften, die sich über jedes Westpaket freuten und stolz waren wenn sie einmal mit einen Pelikan-Füllfederhalter schreiben konnten und West-Schokolade knabbern durften. Aber sie erfüllten ihre Norm, sie erfüllten ihnen Plan und schrieben das nieder was die Lehrer wollten. Abends schauten sie wieder Westfernsehen und erzählten am nächsten Tag von Ländern wo sie nie hinreisen durften.
Nach dem 8. Schuljahr mußte ich die Schule verlassen, Abitur durfte ich nicht machen, ich war nicht bei den Pionieren, nicht in der FDJ, wurde konfirmiert und lehnte aus Überzeugung die sozialistische Jugendweihe ab. Ich begann eine Berufslehre zum Feinmechaniker. 1974 unternahm ich einen Fluchtversuch in Richtung Westdeutschland, er scheiterte, war beim MfS in U-Haft und erhielt daraufhin 3 Jahre Haft. 1976 kam ich wohl durch Freikauf nach Westdeutschland und wohnte später im Rheinland.
1993 durfte ich bei der Gauck-Behörde einen Teil meiner Stasi-Akten sehen und staunte nicht schlecht als ich hier eine Fotokopie des Schulaufsatzes von 1967 wieder sah. Natürlich bekam ich damals eine glatte 5 für diesen kurzen Aufsatz. Nun wußte ich daß die Schule schon damals missliebige Aufsätze an die Stasi weiterleitete.
Mein Aufsatzblatt war nun mit vielen Stempeln und Notizen versehen, erkennen konnte ich noch den Vermerk - Von weiterführenden Schulen ausgeschlossen.

Heute werden PDS-Politiker nicht müde das DDR-Bildungssystem zu loben und es als Vorbild für Gesamtdeutschland anzubieten. Es sind hier die selben Politiker und Propagandisten, die damals 1967 sagten, nur die DDR-Wirtschaft sei modern, effektiv und zukunftorientiert.

Christian M.

 

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