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DER BLICK VON WESTEN
Meine Familie hatte keine privaten oder sonstigen Kontakte in die DDR bzw. nach West- oder Ost-Berlin. Somit war die
DDR aus privatem Interesse eigentlich keine Thema bei uns. Zudem war meine Familie eher wenig politisch ausgerichtet
, so daß es auch aus den politischen Gegebenheiten keine Diskussionen gab. Zudem war ich mit meiner Familie nie in Berlin oder in der DDR.
Irgendwann fing ich an, mich politisch zu interessieren. Da waren aber ganz andere Themen aktuell Atomkraft, Nato
-Doppelbeschluß, Umweltschutz und vieles mehr. Weil ich von der DDR aus eigenem Erfahren so gut wie nichts wußte,
bezog ich meine Informationen nur aus trockenem Unterricht und den Medien. Ich hielt die politische Trennung der
beiden deutschen Staaten für fest "zementiert". Aus reinem Nichtwissen hatte ich die wirtschaftlich prekäre Lage des
Ostblocks und auch der DDR nicht so schlecht eingeschätzt. Deswegen hatte ich an die Einheit Deutschlands vor der dynamischen Entwicklung von vor ca. 13 Jahren nicht geglaubt.
Meine praktischen Erfahrungen beziehen sich nur auf eine "Überfahrt" von Gudow aus auf der Interzonenautobahn nach
West-Berlin. Ich glaube das war im Jahre 1985 oder 1986. Die Kontrolle der Grenzer war sehr genau. Wir gaben unsere
Ausweise ab und mußten im Schrittempo ca. 50 Meter weiterfahren. Dort wurde unserer PKW (wir waren mit 4 Personen
darin) genauer kontrolliert (mit Spiegel unter dem Auto, Kofferraum öffnen, genau in den Innenraum schauen usw.). Ich
war der Fahrer und die Grenzer sahen meinen Polizeiführerschein. Ich wurde in ernstem Ton gefragt, in welchem Ort ich
denn Polizeibeamter wäre. Dann erhielten wir unsere Pässe wieder und konnten fahren. Auf der Interzonenautobahn sind
wir dann über vorschriftsmäßig gefahren. Wir hatten dann auch zwei gut getarnte Radar-"Fallen" gesehen.
Ansonsten sind mir nur noch die heruntergekommenen Kaserenen der russischen Armee kurz vor Berlin in Erinnerung.
So sah bei uns wirklich keinen Kaserne aus. Außer, daß ich die Mauer von West-Berlin aus sah, kann ich leider nicht viel mehr sagen. Ansonsten wußte ich von der DDR wirklich nicht viel.
Ich war politisch interessiert und hatte meine Meinung eigentlich über das Fernsehen gebildet. Meiner Meinung nach
sollte der Westen schon Stärke gegenüber dem Ostblock und insb. Russland zeigen. Aber genauso war ich dafür, die Kontakte zu vermehren (Reiseregelungen für Rentner, Sportkontakte von Jugendlichen, usw.).
Im Staatsbürgerkundeunterricht wurden uns einmal die Nachrichten der DDR und die Nachrichten der Tagesschau im
Westen zu den gleichen Themen gezeigt. Da hatten die DDR-Nachrichten nicht so ganz objektiv berichtet. Es ging um irgendeine Demo in West-Berlin.
Ansonsten hatte ich die Grenze bei Lübeck-Schlutup und Ratzeburg gesehen. Über das tatsächliche Leben in der DDR wußte ich sehr wenig.
Am meisten über die DDR hatte ich auf der Studienfahrt während meines Studiums an der VFHS erfahren. Wir waren in
Berlin und hatten etwas über die Stasi und die Mauer erfahren. Wir waren in der ehemaligen Stasi-Zentrale und im Stasi
-Gefängnis Hohenschönhausen. Ehemalige Stasi-Leute und Häftlinge hatten uns ihre Erfahrungen mitgeteilt. Dazu waren
wir noch in Weimar, Erfurt, Dresden und Eisenach. Diese Fahrt hatte mir Einblicke gegeben, die ich bis dahin nicht hatte.
Inzwischen habe ich natürlich mehr Kontakte mit Leuten aus den neuen Bundesländern und habe natürlich dadurch auch viele Erfahrungen mitgeteilt bekommen. [...]

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