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Es wurde der Versuch gemacht, uns Soldaten in allerlei Hobby-Zirkeln zu beschäftigen, und so ging ich zweimal in den Zeichenzirkel. Dort sollte man dann nur Soldatenbilder malen, so dass ich wieder abgehauen bin. Im Fotozirkel war es schon interessanter für mich. Ich musste zwar alle notwendigen Passbilder für die Kompanie anfertigen und die Urlaubsbilder der Offiziere entwickeln, hatte dadurch aber zusätzliche Freizeit. Besonders wichtig war hier die Anfertigung von Wandzeitungen und einer "Straße der Besten", wozu ich Unmengen von teurer Fotoleinwand verarbeiten konnte. Ebenfalls gab es Sonderausgang, um Fotomaterialien zu besorgen. Da ich viel produzierte und meine Arbeit gut angesehen war, konnte ich in der Woche mindestens einmal zusätzlichen Ausgang herausschinden. Ein beliebtes Hobby, welches sich ohne irgendeinen Zirkel oder Befehl von Oben herausbildete, waren Hinter-Glas-Malereien. Ein Kamerad aus dem Erzgebirge hatte damit angefangen. Dazu wurde einfach eine Glasscheibe mit schwarzer Nitrofarbe angestrichen. Ehe die schwarze Nitrofarbe richtig hart war, wurde partiell die Farbe entfernt und mit Silber- und Goldfolie hinterlegt. Ein beliebtes Motiv waren Tulpen, Rosen und Weihnachtsmotive, die an die Eltern oder die Frau/Freundin mit nach Hause genommen wurden. Ich hatte ständig damit zu tun, für die Kameraden Vorlagen zu zeichnen, die dann fleißig abkopiert wurden. Ebenfalls ein beliebtes Motiv war das Brandenburger Tor mit einem Soldaten im Vordergrund, der eine Kalaschnikow geschultert hatte. Als ich mal ein Stück Mauer mit Stacheldraht dazu zeichnete, war die Begeisterung eines Offiziers gewaltig. Ein anderer Offizier hat mich dann zusammengedonnert, ich solle keine Grenzanlagen zeichnen, das verstöße gegen die Vorschriften. Ich habe dann ein paar Ordensmotive und NVA-Embleme angefertigt und hatte wieder Ruhe. Je kitschiger, desto mehr wurden diese Arbeiten angesehen. Als ich dann anfing, Kübelwagenmotive und Motorradmotive in Lack zu kratzen, begann ich einen schwunghaften Tauschhandel mit den Bildern und verkaufte auch einige gegen Urlaub und Ausgang. Dies war insgesamt gesehen auch so der Umstand, weswegen es mir ein wenig besser ging als vielen meiner Kameraden. Mit ein bisschen Kitsch konnte ich mir einige Privilegien "erdienen". Während einer Streife an der Heidelberger Straße wurde ich von einer Offiziersstreife einer anderen Kompanie angehalten, die mir sagten, man hätte mich schon geraume Zeit beobachtet, wie ich mich im Grenzbereich immer bücke und man frage sich, was in meine Taschen steckt. Ich sollte meine Taschen entleeren. Ich packte mein Schokoladenpapier aus, welches der Wind oder die Westberliner Bürger über die Mauer wehte. Diese Meldung ging dann an meinen Zugführer, der ja wusste, was ich mit der Staniolfolie machte. Ich bekam den Befehl, nur noch neutrales Silberpapier zu nehmen, auf dem nicht "Stollwerk" steht, denn die Meldung an meine Kompanie enthielt den Hinweis, dass ich "Stollwerk" Schokoladenpapier sammelte. Ich hab dann zu Unterleutnant Fünfstück gesagt, wenn ich wieder mal ein Bild für Sie mache, nehm ich nur noch das Papier von den Halloren-Kugeln, aber dazu muss ich beim Ausgang Hallorenkugeln am Ostbahnhof holen. Fünfstück hat dann gegrinst und mich mit "hauen Sie ab" wegtreten lassen.

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