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DataIcon  SCHWEIZERISCH-OSTDEUTSCHE BEZIEHUNGEN

Hallo,

ich bin nicht deutscher Herkunft und lebe in der Schweiz, wo ich auch aufgewachsen bin. Von der Seite meines Vaters bestehen nordafrikanische Wurzeln, meine Mutter ist jedoch Schweizerin.

Die schweizerische Verwandtschaft hatte jedoch immer wieder Auswanderer zu verzeichnen, so etwa bis zur Generation meiner Grosseltern. Nebst Auswanderungen nach Nord- und Südamerika, waren die Niederlande und Deutschland offenbar die bevorzugten Länder.

Durch die Umbrüche nach dem 2. Weltkrieg geschah es dann, das einige Angehörige der Verwandtschaft in der DDR, aber auch im sozialistischen Rumänien verblieben.

Meine Oma war es dann auch, welche diese Kontakte über alle Schwierigkeiten hinweg, aufrecht hielt.

Nebst der BRD, war ja die Schweiz das einzige andere europäische Land, welches die DDR völkerrechtlich nie anerkannte . Ein Umstand den die DDR sich ganz offensichtlich nicht so zu Herzen nahm. Hingegen wurden Kontakte und Reisen in die DDR in der Schweiz fast wie Verbrechen behandelt.

Es war wohl etwa 1978 oder 1979, da organisierte ich einen Telefonanruf in die DDR. Das war damals nicht so einfach, denn Direktwahl gab es nicht und es konnten zwischen der Schweiz und der DDR nur zwei Gespräche (insgesamt!) geführt werden. So wartete man eben bis zu 3 Tage, bis dann das Fernmeldeamt anrief und die Verbindung herstellte. Gut, meine Oma und ich sprachen so 10-15 Minuten mit unseren Leuten drüben. Es ging nur um Familie und Privates. Doch weitere drei Tage später lag ein Schreiben der Polizei bei mir im Briefkasten (hier in einer grösseren schweizerischen Stadt!). Es war ein Aufgebot am Tage X, zur Stunde Y auf dem Büro der Polizei zu erscheinen. Nun, das dies was mit dem Anruf in den Osten was zu tun hatte, konnte ich noch nicht wissen.

Also hin. Was mich da erwartete konnte ich erst gar nicht glauben. Ein peinlichst genaues Protokoll. Sogar das Lachen von Omas Cousine in der DDR wurde mir vorgelesen und das die Angerufene einen "nicht-ganz-sächsischen-Dialekt" spricht. Nachdem mir alles vorgelesen wurde, wurde ich über 2 Std. befragt, nach verschlüsselten Nachrichten im Anruf, warum ich und Oma abwechselnd sprachen usw. Es lag ja aber nichts vor. Zum Abschluss rieten mir die 4 anwesenden Polizisten solche Kontakte "mit dreckigen Kommunisten" zu unterlassen.

Diese Ansicht bestand in der Schweiz sogar noch Jahre nach der Wiedervereinigung.

Während in der DDR Postsendungen aus der Schweiz bis etwa 1972 regelmässig geöffnet wurden, bestand dies umgekehrt bis Ende 1990, bzw. bis zur Umstellung der Postleitzahlen in Deutschland, alleine die Absenderangabe D-O konnte reichen, dass die Postsendung, egal ob Päckchen oder Brief, hier geöffnet wurde.

So ab 1975 fand meine Oma dann einen Weg des Warenaustausches über das Postamt Konstanz. Obwohl damals nur 250 Gramm Kaffee aus der Schweiz in die BRD gebracht werden durften, versuchte sie es mal mit 3 Kilo! Und zwar fix fertig verpackt und adressiert, trug sie das Paket zum deutschen Zoll und verlangte die zollfreie Einfuhr in die BRD da der Inhalt ja für die DDR bestimmt war. Die Zöllner in Konstanz waren so erstaunt, dass sie die 70 jährige Dame gewähren liessen, sie solle doch aber bei der Rückkehr die Quittung der Post dem Zoll als Beleg vorlegen, was sie noch so gerne tat . Interessanter Nebeneffekt, das Porto war so viel billiger, dass sogar die 60 km Bahnfahrt nach/von Konstanz drin lag und ausserdem kam das Paket unbehelligt und nach nur wenigen Tagen (viel schneller als von der Schweiz aus) am Ziel im Vogtland an. So entstand ein reger Warenverkehr über Konstanz am Bodensee, wobei Schuppbögen und andere Handarbeiten, aber auch Stollen usw. als Postlagernd in Konstanz auf meine Oma warteten. Umgekehrt wurde eine private Bäckerei mit allerlei Zutaten, die im Osten knapp waren, bestens versorgt. Etwas musste Oma jedoch sehr gut aufpassen, nie die Originalverpackung mit in die Schweiz nehmen, dies hätte ihr riesige Probleme bereitet.

1980 wollte meine Oma endlich mal, mit mir zusammen, in die DDR fahren. Also haben wir die Visumsantragformulare besorgt, alles ausgefüllt und eingereicht. Das die ganze Sache 3-4 Monate zur Bearbeitung braucht wussten wir ja. Nach etwas überdrei Monaten bekam Oma ihre Papiere, um in Bern das Visum abzuholen. Da gab es eine Visumstelle der DDR die nur jeden Dienstag Vormittag besetzt war. Ich hatte aber nichts gehört, ob ich auch fahren kann. Also habe ich den nächsten Dienstag abgewartet und dann diese Stelle in Bern angerufen. Die Antwort hätte ich aber nicht erwartet. Die freundliche Dame dort erklärte mir das die DDR Behörden die Einreiseerlaubnis in 3-4 Tagen erteilen würden, wenn es die Schweizer Behörden erlauben. Ich solle mich auf dem für mich zuständigen Einwohnerkontrollamt melden. Das tat ich dann auch. Dort wurde ich zuerst ganz schön "zusammen geschissen", ich hätte im Osten nichts zu suchen usw. Und erst dann wurde mir ganz kurz erklärt, das man im Jahr der militärischen Musterung nicht in den Ostblock fahren dürfe, man mache sich dadurch strafbar! In der Tat wurde ich mehrere Monate später von der Armee zur Musterung aufgeboten. Oma entschied dann nicht alleine zu fahren.

Also beschlossen wir 1981 Omas Cousine und ihren Mann, beide ja schon länger Rentner, für einige Wochen in die Schweiz zu holen. Während die beiden sehr schnell die Ausreise genehmigt bekamen, hatten wir hier 2 Monate zu kämpfen, das die beiden die Einreisevisa bekommen. Nicht zu sprechen von den Kosten. Je Person mussten wir 2500 Franken (damals etwa 2500 DM) beim Sozialamt einzahlen, denn man hatte hier ganz offiziell Angst das eine dieser Personen krank werden könnte, oder viel schlimmer, hier bleiben möchte. Schlussendlich konnte der Besuch hier jedoch stattfinden. Das Omas Cousine noch einen Schweizer Pass von 1937 (!! Danach konnte sie ja keinen neuen mehr machen ) besass, interessierte hier niemanden. Alle Versuche ihr ein neues Dokument austellen zu lassen, schlugen fehl. Sie wurde von den Schweizer Behörden erst 1992, 8 Jahre nach ihrem Tod (!) wieder als Schweizerin anerkannt. In der DDR galt sie immer als Schweizerin, da sie bei der Heirat 1943 die deutsche Staatsangehörigkeit ihres Mannes nicht annahm.

Dies mal als Einleitung.

Wenn ich die Zeit finde, schreibe ich Ihnen auch von meinen diekten Eindrücken der DDR, da ich das Glück hatte hinzufahren.

 

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